innovation - der neue Regulatory Reporting Hub

„Unsere Kunden reden mit“



Die Finanzmarktrichtlinie in ihrer neuen Form MiFID II ist das große Thema der Finanzmärkte. Die Regulierung erreicht mit dieser Richtlinie einen neuen Höhepunkt. Sie zielt auf Transparenz und „market abuse detection“. Die Meldepflichten, auch für Informationen, die bislang keine Rolle spielten, sind komplex und anspruchsvoll. Viele Fragen werden sich erst nach und nach beantworten lassen.

Marco Popp

Project Manager, Regulatory Services, Gruppe Deutsche Börse

Marco Popp ist Teil eines größeren Teams, das sich gruppenweit um neue Produkte im Bereich Regulatory Reporting kümmert.

„Die Gruppe Deutsche Börse und ihre Kunden müssen in die Details gehen“, sagt Marco Popp von Market Data + Services, Mitglied einer unternehmensweit tätigen Projektgruppe zum Thema regulatorische Berichterstattung (Regulatory Reporting) und MiFID II. „Sie können als Marktteilnehmer beispielsweise nicht einfach alle bei Ihnen anfallenden Daten melden, das wird nicht als qualifiziertes Reporting anerkannt. Ein solches Verhalten führt zu so genannten ‚Findings‘, also Fehlern in der Berichterstattung, die zu empfindlichen Geldbußen führen können. Und das ist nur das Thema Reporting. Für unsere Kunden stellen sich weitere Fragen, z. B. nach dem Sammeln der Daten im Haus, damit sie aufbereitet und mit den Anforderungen abgeglichen an die zuständige Behörde gemeldet werden können. In dieser Prozesskette können wir unsere Kunden an allen Punkten unterstützen.“

Da alle Seiten – also die Regulierer, die Handelsteilnehmer und auch die Deutsche Börse als Marktinfrastrukturanbieter – noch konkrete Erfahrungen mit den neuen Regeln sammeln müssen, kann es aus Sicht des Projektteams nur um ein dynamisches und kooperatives Modell gehen: „Eine fertige optimale Lösung kann es nicht geben. Oder sie käme zu spät – auch nicht gerade optimal“, so Popp.

Regulatorische Berichterstattung

Die internationalen Kapitalmärkte werden durch immer komplexere regulatorische Anforderungen wie Melde- und Transparenzpflichten geprägt. Gemeinsam mit Kunden entwickelt die Gruppe Deutsche Börse daher einen innovativen Regulatory Reporting Hub. Diese Lösung integriert die umfassenden Services der Gruppe Deutsche Börse zur Erfüllung der diversen Berichtspflichten unterschiedlicher Regulierer und Rechtsgebiete. Der Hub wird Marktteilnehmer in der passgenauen Berichterstattung an die verschiedenen nationalen Behörden unter Berücksichtigung der jeweiligen und z. T. stark voneinander abweichenden Anforderungen sowie weiteren Regularien wie etwa dem Datenschutz unterstützen. Für die Teilnehmer bedeutet dieser Service höhere Effizienz und geringere Risiken, da sie alle Lösungen aus einer Hand erhalten.

Marktdaten ist ein Geschäftsfeld der Gruppe Deutsche Börse.

Gesteuerte Transparenz

„Dynamik und Kooperation waren unsere Ausgangspunkte“, so Popp weiter. „Wir haben die Produktentwicklung von Grund auf neu und interaktiv strukturiert. Informieren, diskutieren, anbieten – so könnte man unser Modell kurz beschreiben.“ Das ist in der Tat sehr kurz, denn dahinter steht ein komplexer Ablauf, in dem eins ins andere greifen muss. Eine Methode, die gerade „in“ ist, kam dem Team dabei gelegen: die Scrum-Methode. Das ist eine offene Methode, mit deren Hilfe Prozesse so lange wie möglich mit den Aufgaben mitwachsen können – denn nicht alles kann von Anfang an definiert werden. Auf ihrer Grundlage konnte Transparenz intern und in Richtung der Kunden und anderer Beteiligter (Stakeholder) hergestellt und angemessen gesteuert werden.

MiFID II – Hintergründe und Details

MiFID (Markets in Financial Instruments Directive) bezeichnet die EU-Richtlinie, die den Rechtsrahmen für das Erbringen von Wertpapierdienstleistungen im Zusammenhang mit Finanzinstrumenten (wie Vermittlung, Beratung, Handel, Portfolioverwaltung, Übernahme von Emissionen usw.) bildet. Sie gilt für Banken und Wertpapierfirmen sowie für Betreiber von geregelten Märkten. Übergeordnetes Ziel ist die Förderung der Integration, Wettbewerbsfähigkeit und Effizienz der EU-Finanzmärkte. MiFID II im engeren Sinne bezeichnet die Überarbeitung der Richtlinie über Märkte für Finanzinstrumente. Die Finanzmärkte sollen effizienter, widerstandsfähiger und transparenter werden. MiFID II sieht neben einer Stärkung des Anlegerschutzes neue Verfahrensregeln für den algorithmischen Handel vor.

Ein wesentliches Ziel wurde von Anfang an definiert: Es sollte eine dynamische, offene Plattform für ein umfassendes Regulatory Reporting entstehen. „Wir sind also sehr früh auf die Kunden zugegangen – und nicht nur wir vom Kernteam, sondern auch die Sales-Teams der Gruppe. Wir haben die Kollegen überzeugen können, mit einem allerersten ‚Türöffner‘, also einer knappen Information, an ihre Kunden heranzutreten.“ Das Thema MiFID II ist natürlich auch wie dafür gemacht, über die Geschäftsbereiche hinweg („cross-divisonal“ nennt Popp das) Kunden anzusprechen. Das Interesse der Kunden war von Anfang an da. „Mag sein, dass wir mit dem Thema Regulatory Reporting in einem günstigen Umfeld unterwegs sind“, meint Projektleiter Popp. „Dennoch sind wir ein bisschen stolz auf die unternehmensweite Teamleistung, die sich daraus ergeben hat.“

Workshops mit allen Stakeholdern

In einem zweiten Schritt rückten dann das Informieren und der Gedankenaustausch ins Zentrum. Nicht nur in Deutschland, im gesamten europäischen Markt hat das Team Workshops organisiert, an denen sich die Regulatoren als wichtige Stakeholder beteiligten. „Es ist uns gelungen, ein gutes Format für einen offenen Gedankenaustausch zu etablieren. Die Gruppe Deutsche Börse ist hier als ehrlicher Makler aufgetreten.“ Erst danach begannen die Kundengespräche im engeren Sinne. „Die Workshops gemeinsam mit Kunden und Regulierern sind beispielhaft dafür, verantwortlich mit unserem Wissen und unseren Kunden umzugehen.“ Mit diesem Modell ist das Team sogar mit Firmen in Großbritannien ins Gespräch gekommen, einem für nicht dort ansässige Anbieter regulatorischer Lösungen extrem schwierigen Markt.

Derzeit läuft die Pilotphase. Die Plattform existiert, sie wird nach und nach mit Funktionen angereichert. Die ersten Kunden arbeiten schon mit der echten Datenbank: „Es ist kein Prototyp, der dann im Müll landet, sondern die Datenbank, auf die später alle Funktionen aufgeschaltet werden. Nichts ist so wertvoll wie das Live-Feedback, das wir auf diese Weise erhalten.“ Mit Interessenten wurden die geplanten Funktionen im Detail diskutiert, sodass seit Mitte 2015 zugeschnittene Angebote angefordert werden konnten. Seit Februar 2016 sind die ersten Pilotkunden online.

Vermögensdienstleistungen

Bei der Verwahrung von Vermögenswerten werden diverse Serviceleistungen notwendig. Zu diesen sog. Asset Services zählen z. B. die Umsetzung von Kapitalmaßnahmen, Dividendenzahlungen und Steuerdienstleistungen. Auch Leistungen für Investmentfonds haben in den letzten Jahren an Bedeutung gewonnen. All diese Services erhalten Marktteilnehmer bei Clearstream, dem Anbieter von Nachhandelsdiensten der Gruppe Deutsche Börse.

Verwahrung ist ein Geschäftsfeld der Gruppe Deutsche Börse.

War es das oder kommt noch was? „Wenn Sie so fragen“, antwortet Marco Popp, „dann sage ich, wir sind einerseits sehr weit, andererseits erst am Anfang. Denn MiFID II ist vielleicht der vorläufige Höhepunkt der Regulierungen, aber sicher nicht das Ende.“ Für das internationale Geschäft der Kunden und für die Regulierungen der Zukunft ist die neue Plattform, so Popp weiter, also definitiv das geeignete Instrument. „Wir können nach und nach weitere Regulierungen auf die Plattform heben, gemeinsam mit unseren Pilotkunden live testen und an deren jeweilige Anforderungen anpassen. Dabei bleiben wir unserem Grundprinzip treu, alle Akteure in den Prozess einzubinden.“ So wird die Gruppe Deutsche Börse ihrer Verantwortung als führender Marktinfrastrukturanbieter gerecht.

Mehr Informationen

Siehe den Abschnitt „Regulatorisches Umfeld“ im zusammengefassten Lagebericht im Finanzbericht 2015.
Das zentrale Portal ist erreichbar unter: deutsche-boerse.com/reportingloesungen
Direkter Draht zum Expertenteam: regulatory-reporting@deutsche-boerse.com