innovation - Interview mit Ashwin Kumar, Global Head of Business and Product Development der Gruppe Deutsche Börse

Neue Produkte schaffen neue Spielräume



Die Gruppe Deutsche Börse deckt die gesamte Wertschöpfungskette ab. Wo sehen Sie Chancen für neue Produkte?

Bei der Produktentwicklung versuchen wir, Synergien zwischen den verschiedenen Geschäftsbereichen und -aktivitäten zu erzeugen und Produkte anzubieten, die diese Synergien verstärken. Darüber hinaus möchten wir einige unserer Wertschöpfungsketten kommerzialisieren, um so statt individueller, segmentierter Lösungen vermehrt Komplettlösungen, ganzheitliche Produkte, anbieten zu können. Dabei müssen wir immer unsere Kunden im Blick behalten, ihre Bedürfnisse und die Frage, welche Lösungen wir ihnen bieten können. Der Druck steigt auf Finanzintermediäre wie auf Endkunden: wachsende regulatorische Anforderungen, rückläufige Ertragsströme und täglich eskalierende Kosten. Wir bieten Lösungen, mit denen die Effizienz im Markt als Ganzes gesteigert werden kann – davon profitieren natürlich auch unsere Kunden.

Ashwin Kumar

Global Head of Business and Product Development, Gruppe Deutsche Börse

Der langjährige Hedgefonds-Manager und Banker hat im September 2015 die neu geschaffene Rolle des Global Head of Business and Product Development bei der Gruppe Deutsche Börse übernommen.

Wie gehen Sie bei der Entwicklung neuer Produkte systematisch vor?

Der Kunde steht bei uns immer im Mittelpunkt, auch bei der Produktentwicklung. Alles dreht sich um die Bedürfnisse des Kunden, die es zu verstehen gilt, um Lösungen, mit denen diese Bedürfnisse befriedigt werden können, und darum, diese Lösungen zeitnah umzusetzen. Das ist unser Ansatz – und die ganze Gruppe arbeitet mit. Dabei beginnt der Prozess immer wieder von vorne: mit dem Kunden sprechen, Bedarf verstehen und ermitteln, Produkte entwickeln, dem Kunden vorstellen, gegebenenfalls ändern, passende Lösung präsentieren. Das Ganze natürlich möglichst zeitnah.

Wie viel Spielraum bleibt angesichts externer Einflussfaktoren wie T2S und MiFID II für eigenes Produktdesign?

Tatsächlich ist der Spielraum für eigenes Markt- oder Produktdesign größer geworden, da Teile unserer Dienstleistungen durch die von Ihnen genannten Entwicklungen und Regularien standardisiert werden. Je standardisierter das Umfeld, desto wichtiger ist es, sich mit Mehrwertleistungen klar von seinen Mitbewerbern abzugrenzen. Dafür müssen wir noch stärker auf die Wünsche unserer Kunden eingehen und mehr Wert schöpfen.

Woran arbeiten Sie gerade? Und welche Vorteile sehen Sie für unsere Kunden?

Wir arbeiten derzeit an diversen Projekten in der Produktentwicklung auf Gruppenebene. Eines davon beschäftigt sich mit dem „Blockchain“-Konzept. Wir prüfen, wie wir Blockchain nicht nur intern, sondern auch extern zur Effizienzsteigerung, Kostensenkung und Erleichterung für unsere Kunden einsetzen können. Ein anderer Bereich, mit dem wir uns intensiv beschäftigen, ist das Outsourcing. Wir prüfen, wie wir Kostendruck von unseren Kunden nehmen können, wenn sie ihr Backoffice oder Teile davon verstärkt zu uns auslagern. Darüber hinaus schauen wir uns verschiedene Wertschöpfungsketten in unserem Ökosystem an, von ETFs über Renten bis zur Wertpapierleihe, und fragen uns: Wie können wir unseren Kunden hier helfen? Welche Produkte können wir ihnen bieten, die dem entsprechen, was sie brauchen? Wie gestalten wir diese Produkte so, dass unsere Kunden ihre Effizienz steigern und ihre Kosten senken?