status - wie Target2-Securities das europäische Verwahrgeschäft revolutioniert

Eine neue Architektur des Vertrauens



Die grundlegende Reform des europäischen Abwicklungs- und Verwahrgeschäfts (TARGET2-Securities, T2S) ist in vollem Gange: Die Zentralverwahrer, nationale (CSDs) wie internationale (ICSDs), sowie ihre Kunden müssen sich auf die neue Abwicklungsplattform der Europäischen Zentralbank (EZB) vorbereiten, die 2017 die Migration aller teilnehmenden Zentralverwahrer und Zentralbanken vollständig abgeschlossen haben wird. Clearstream, der Abwicklungs- und Verwahrdienstleister der Gruppe Deutsche Börse, nimmt dabei eine besondere Stellung ein: CSD und ICSD sind hier unter einem Dach vereint. Die Gruppe Deutsche Börse bietet so Abwicklung (Settlement), Verwahrung (Custody), Vermögensdienstleistungen (Asset Services) und hoch effizientes Sicherheiten- und Liquiditätsmanagement aus einer Hand. Insgesamt steht Clearstream für rund 40 Prozent des europäischen Abwicklungsgeschäfts. Für viele Kunden sind die spezielle integrierte Architektur der beiden Zentralverwahrer, die Vollständigkeit der Produktpalette entlang der gesamten Wertschöpfungskette und nicht zuletzt das über Jahre gewachsene Vertrauen die entscheidenden Faktoren, um im Vorgriff auf T2S Clearstream ihre Vermögenswerte anzuvertrauen.

Karla Amend

Head of Section T2S, Gruppe Deutsche Börse

Sie leitet die Section TARGET2-Securities im Department Operations Clearstream bei der Gruppe Deutsche Börse.

TARGET2-Securities (T2S)

ist ein EU-weites Großprojekt der EZB, das die grenzüberschreitende Wertpapierabwicklung vereinheitlicht. Auf diese Plattform werden in fünf Wellen Zug um Zug die CSDs und Zentralbanken migriert. Clearstream, die über ihre Nachhandelsinfrastruktur für den deutschen Markt 40 Prozent des künftigen Abwicklungsvolumens von T2S stellen wird, wird sich in der vierten Welle im Februar 2017 anschließen. Als erster europäischer Anbieter wird Clearstream das globale Liquiditätsmanagement und die Vorteile des einheitlichen Marktes durch T2S vereinen.

Vertrauen und Wettbewerb

T2S ist eine Initiative, mit der die EZB die Wertpapierabwicklung in 23 europäischen Ländern vereinheitlichen und vereinfachen will. Sobald die Plattform in den teilnehmenden Märkten implementiert ist, wird es für einen Kunden ausreichend sein, ein Geldkonto bei der zuständigen nationalen Zentralbank zu halten, über das dann sämtliche Geschäfte in T2S-fähigen Wertpapieren in Zentralbankgeld abgewickelt werden können.

Dieses neue Abwicklungsmodell verlangt von den nationalen Zentralverwahrern ein bislang unbekanntes Maß an Kooperation. Sie haben sich in der CSD Steering Group (CSG) zusammengeschlossen, deren Vorsitz regelmäßig wechselt. EZB und Zentralverwahrer arbeiten hier eng zusammen, um zu kundenfreundlichen Lösungen zu kommen. Auf europäischer Ebene hat sich ein geradezu exemplarisches Modell der „checks and balances“ zwischen den nationalen Zentralverwahrern etabliert. Dieses gibt sowohl den Akteuren mit großen Abwicklungsvolumina das nötige Gewicht und berücksichtigt gleichzeitig die Interessen der kleineren Institute.

Verwahrung

Nach Handel und Clearing müssen die Wertpapiere abgewickelt werden, d. h. den richtigen Depots gutgeschrieben werden (Settlement). Anschließend muss die sichere Verwahrung (Custody) der Wertpapiere gewährleistet werden. Bei der Gruppe Deutsche Börse übernimmt Clearstream diese Aufgabe.

Clearstream vereint einen nationalen und einen internationalen Zentralverwahrer unter einem Dach und bietet Zugang zu über 90 Währungen und 54 Märkten. Beide Zentralverwahrer nehmen entsprechend ihren Aufgaben ab 2017 an der vereinheitlichten europäischen Abwicklung unter TARGET2-Securities (T2S) teil, sodass die Gruppe Deutsche Börse ihren Kunden einen umfassenden globalen Service anbieten kann. Der internationale Zentralverwahrer ermöglicht die T2S-Abwicklung in Zentralbankgeld nicht nur in europäischen Märkten, sondern auch für Wertpapiere, die z. B. in Asien ausgegeben wurden. Die Gruppe Deutsche Börse ermöglicht so eine effiziente weltweite Nutzung der bei ihr verwahrten Vermögenswerte – z. B. als Sicherheiten.

Verwahrung ist ein Geschäftsfeld der Gruppe Deutsche Börse.

Clearstream sieht sich, auch aufgrund der besonderen Bedeutung der Deutschen Bundesbank im Konzert der europäischen Zentralbanken, bestens für eine Abwicklung in T2S positioniert. Es gilt nun, diese Position mit Nachdruck anzunehmen – im Sinne eines funktionierenden Finanzmarktes und einer effizienten europäischen Wertpapierabwicklung. So tritt der europaweit größte Anbieter als verantwortungsvoller und erfahrener Makler des gemeinsamen Interesses auf.

Migrationszeitplan

Migrationszeitplan

Ein Geschäftsmodell für langfristiges Wachstum

Unterhalb der Kooperationsebene verfolgen die CSDs jedoch weiterhin auch eigene Geschäftsmodelle. So wird Clearstream mit dem Zusammenspiel von CSD und ICSD den Kunden einen strukturierten Nachhandelsservice für europäische und globale Märkte, v. a. auch im Hinblick auf das immer wichtiger werdende Liquiditätsmanagement, anbieten.
Zwei Impulse hat Clearstream in den Markt gegeben. Zum einen hat Clearstream schon vor einigen Jahren sein Preismodell für die T2S-Abwicklung veröffentlicht: Die T2S-Abwicklungskosten werden ohne Aufschlag an die Kunden weitergegeben. Das hat anfangs durchaus für Unruhe im Markt gesorgt. Diese Kostenreduktion ist eines der Kernziele des gesamten Prozesses – und es wäre schon in mittelfristiger Perspektive kontraproduktiv gewesen, ein Preismodell entgegen den Leitgedanken von T2S einzuführen.

Komplementär zum Verzicht auf Entgelte für das Settlement hat Clearstream sein Hauptaugenmerk auf den Ausbau von Verwahr- und Vermögensdienstleistungen sowie des Liquiditäts- und Sicherheitenmanagements gelegt. Clearstream kann alle Services innerhalb der eigenen Prozesskette abbilden: über den ICSD in Luxemburg und den Global Liquidity Hub, über den Teilnehmer u. a. ihre Margin-Verpflichtungen gegenüber Clearinghäusern erfüllen können. Kunden von Clearstream haben innerhalb dieser integrierten Prozesskette die Wahl, ihre Wertpapierabwicklung in Euro-Zentralbankgeld oder in Giralgeld vorzunehmen. Zudem sind rechtliche, regulatorische und steuerliche Themen für die Kunden von wachsender Bedeutung – auch dafür hat die Gruppe Deutsche Börse effiziente Angebote.

Liquiditätsmanagement

Im Zuge der Regulierung der Finanzmärkte sind die Vorschriften für das Eigenkapital von Banken strenger geworden. Finanzabteilungen (Treasury) von Unternehmen haben einen stetig wachsenden Bedarf an Liquiditätsmanagement, um ihr Eigenkapital zu schonen. Über den Global Liquidity Hub von Clearstream ermöglicht die Gruppe Deutsche Börse Finanzinstituten ein optimales weltweites Liquiditätsmanagement. Dabei ist es ein Alleinstellungsmerkmal, dass die als Sicherheiten genutzten Vermögenswerte dank der internationalen Partnerschaften von Clearstream in ihrem jeweiligen Heimatmarkt verbleiben. Dieses Modell schafft kein systemisches Risiko und findet daher auch bei Regulatoren hohe Akzeptanz. Ein weiterer Vorteil: Clearstream wählt die Sicherheiten je nach Anforderung an Typ, Qualität und Bewertung aus, um ein Finanzrisiko passgenau abzudecken. Die Besicherung ist also so effizient wie möglich – ohne unnötig Liquidität zu beanspruchen.

Sicherheiten- und Liquiditätsmanagement ist ein Geschäftsfeld der Gruppe Deutsche Börse.

Zusätzlich hat Clearstream die Entgeltstruktur im Verwahrgeschäft angepasst und seine Kunden offen an den Adaptionskosten für die neue Infrastruktur unter T2S beteiligt – verbunden mit den bis in das Jahr 2020 geltenden Vergünstigungen eines Rabattmodells. Damit diese langfristige Kundenbindung funktionieren kann, ist gewachsenes und erarbeitetes Vertrauen unerlässlich. Und genau dies zeichnet einen Marktführer wie Clearstream aus.